Seit Peking zum Austragungsort der Olympischen Spiele gekürt wurde, wirft sich die Stadt in Schale. Benimmunterricht soll ihren Bewohnern die Art Zivilisation beibringen, die westliche Besucher erwarten.
So sorgen Aufseher an Bushaltestellen für geordnetes Schlangestehen statt des sonst üblichen Gerangels. Zudem bittet die Polizei Spuckende zur Kasse. Chinesen halten regelmäßiges Spucken zwar für gesund, doch den Olympia-Zuschauern möchte die Regierung den Anblick nicht zumuten. Statt also auf die Straße oder den Boden eines Gebäudes zu spucken, bedienen sich Pekinger künftig Tüten oder Taschentücher. Überdies sucht Vater Staat Männer davon abzuhalten, sommers oben ohne durch die Straßen zu laufen. Lautes, obszönes Geschrei der Zuschauer bei Sportwettkämpfen steht ebenfalls auf der Verbotsliste.
Man darf gespannt sein, ob die Pekinger sich bei den Spielen an all diese Vorschriften halten werden …
Nun steht gar ein Verbot von Veranstaltungen auf dem Programm. In den letzten Wochen sagten die Behörden etliche Konzerte und Feste in Peking ab, aus Furcht vor Protesten wegen des Vorgehens in Tibet.
Doch während sich China einerseits für die Olympischen Spiele schmückt, hat es andererseits mit zahlreichen Katastrophen zu kämpfen. Die Unglücke begannen kurz vor Beginn des chinesischen Jahres (Februar) mit Schneestürmen, woraufhin Unruhen in Tibet, ein Zusammenstoß zweier Züge, Ausbruch der Hand-, Fuß- und Mundkrankheit und schließlich Erdbeben folgten.
Eine Bemerkung Sharon Stones ließ in dem Zusammenhang etlichen Chinesen den Kragen platzen. Sie behauptete, am vergangenen Erdbeben im Reich der Mitte schulde vielleicht das wegen der Tibetpolitik schlechte chinesische Karma.
Nun zeigen große Kinos landesweit keine Filme mit der Schauspielerin mehr, und manche Kaufhäuser nahmen Werbeplakate Sharons für Dior ab.
Übrigens: Peking bekam den Zuschlag zu den Olympischen Spielen, um China damit die Chance zur Verbesserung der Menschenrechtslage zu geben. Tatsächlich sind die KP-Führer dieser Aufgabe nicht nachgekommen, im Gegenteil, die Menschenrechtsverletzungen wurden im letzten Jahr sogar häufiger. Noch immer werden Medien zensiert, Regimegegner verhaftet, Gefangene jahrelang ohne Prozess gehalten, es wird gefoltert, unterdrückt … Amnesty International schlug vor, die Verbesserung der Menschenrechte in die Olympische Charta aufzunehmen.
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