Bilderverbote

Verhasste Götter

Karikatur- und Abbildungsverbote - Was steckt dahinter?

Die Holländer, neben den Schweizern unsere nächsten Verwandten und beide bis zum Westfälischen Frieden unsere Stallgenossen, also Teil des Deutschen Reiches, fluchen seltsamerweise auch kräftig auf ihren - kalvinistischen - Gott, der außerordentlich streng und freudlos ist: Godverdomme ("Gott verdamm mich", also etwa: "Gottverdammt", obwohl da schon ein wichtiger Unterschied besteht) - so geht das den ganzen Tage lang, daneben "kut", was uns vorher im engl. cunt begegnete oder "kloten", den "Eiern", auf Niederdeutsch "Klöten".

Warum einen Gott befluchen?

Nun, weil es ja im Kern ein Gott ist, der einen quält, nämlich weil dauernd Forderungen stellt, Gebote und Verbote ausspricht. Zumindest seit unserer Trennung von den Niederländern vor 400 Jahren müssen also Dinge gelaufen sein, welche die Psyche entsprechend auseinandertriften ließen.

"Missbräuchliche" Namensnennung und bildliche Darstellungen

In vielen Länder auf der Welt wird z.B. der Gott beflucht, so z.B. auch im Christentum, kennt er doch wegen seiner "Allwissenheit" die geheimsten Gedanken und Wünsche; er vermag in den Kopf zu gucken und weiß alles, eine unerträglich quälende Vorstellung, denn die Regeln des Gottes sind immer so angelegt, dass die Gläubigen dagegen zur Freude aller Pfaffen verstoßen MÜSSEN. Es gibt kein Entrinnen, weil eine strikte Befolgung der Regel im wahrsten Sinne des Wortes übermenschlich wäre. Niemand kann das. Folglich die Notwendigkeit zu einem weiteren Verbot, einem besonderen wie in Ex 20,7, das den Deckel draufmachen soll und Strafe androht:
"Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht" (ziemlich mieses Deutsch nebenbei).
Warum grade "zur Freude"? Nun, weil die Sünde erwünscht ist, denn sie treibt die Sünder zur Beichte, in die Kirche, und festigt so die Macht über den Kopf.

Psychodoktor Calvin - Leuchtturm der Meinungs- und Glaubensfreiheit

Der Kalvinismus, wie auch in Holland, zeigt sich als eine besonders strenge Form des Protestantismus, lehrt er doch wegen des Sündenfalls eine völlige Unterjochung des Menschen, seines Denkens, Handelns, seiner Gefühle und seinem Willen, durch die Sünde.
Während der Katholik in einem ewigen Kreislauf von Verbot bzw. Gebot zur Sünde, über die Beichte und Absolution zur erneuten Übertretung wandert, sind die Ver-und Gebote im Protestantismus tatsächlich einzuhalten. Der Protestantismus ist also - anders als viele es glauben, viel strenger. Dem Katholiken bleibt immer ein Ventil durch die Beichte.
Im Kalvinismus kann der Mensch die rettende Botschaft des Evangeliums ausschließlich durch den Heiligen Geist erkennen. Ferner gilt eine doppelte Prädestination, also Vorherbestimmtheit, wonach der Gott unumstößlich im Voraus festgelegt hat, ob der Einzelne auf dem Weg zu seiner ewigen Seligkeit oder der ewigen Verdammnis ist. Der Gläubige kann also zappeln wie er will: Das Schicksal steht von Anbeginn fest. Nur weiß er nicht welches. Das ist kaum auszuhalten; da kriegt man die Wut.
Weitere Merkmale: Protestantische Askese, strenge Kirchenzucht und strikte soziale Kontrolle, wobei Verstöße bei Sittenwidrigkeit gleich geahndet werden. Das kann schon ein Haarbändel in der Frisur sein. In Genf patrollierte z.B. eine eigene Sittenpolizei durch die Straßen. Das ist wie im Iran oder in Saudi-Arabien.
Ferner sind Fleiß und Arbeitseifer typisch. Wirtschaftlicher Wohlstand wird als Zeichen der Erwählung gedeutet. Arbeit ist alles, sie adelt, offensichtlich eine ideale Ideologie des Bürgertums gegen den verarmenden Adel und die Masse der Habenichtse, die von unten immer wieder rebellierten und die gottgegebene Ordnung in Frage stellten. Der Adel wurde von den Höfen, den Königen, dadurch in Schach gehalten, dass er nicht arbeiten durfte, also auch keine Einkünfte aus wirtschaftlichen Tätigkeiten bezog. Er lebte von der Ausbeutung der Bauern in den Landstrichen, die ihm gnädigerweise von den Potentaten zugeteilt wurden. Eine wirtschaftliche Aktivität hätte den Verlust seiner Vorrechte bedeutet. Ein Adeliger, der arbeitet, vielleicht sogar noch manuell - unmöglich!
Stefan Zweig schildert in "Castellio gegen Calvin", wie Calvin sich immer wieder nachdrücklich für Verfolgung und Verurteilung Andersgläubiger verwandte und bei seinen Predigten selbst Ratsmitgliedern den Kirchenbann androhte, falls sie nicht in seinem Sinne stimmten. Seinen Widersacher Michael Servetus brachte er zu Tode und seine Rolle im Prozess gegen die Hexen von Peney war zumindest undurchsichtig. Klar ist, dass sowohl er als auch sein Mittaliban aus Wittenberg, Luther, fest an Hexen glaubten.
Wie auch immer: Die besondere Form des niederländischen Protestantismus, der Kalvinismus, ist sicherlich der Grund, warum sie laufend ihren schrecklichen Gott verdammen. Sie würden den Quälgeist insgeheim gern loswerden, wünschen ihn zur Hölle.

Bilderverbot - Mohamed-Karikaturen

Mohamed

Eine Parallele zum Sprechverbot ist das Abbildungsverbot. Was Sache ist, verraten immer die starken Affekte, siehe die Folgen der famosen Mohamed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten, die in Charlie Hebdo usw. Auch im Christentum existiert dieses Verbot, allerdings ist es unserem Bewusstsein entschwunden, weil Verstöße zum Leidwesen mancher heute nicht mehr geahndet werden können. So unternahm der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nach dem Pariser Attentat einen Vorstoß zur Verschärfung bzw. Wiederbelebung des immer noch existierenden Gotteslästerungsparagraphen, stieß bei Merkel aber auf Ablehnung.
Gottesdarstellungen erfolgen im Christentum klassischerweise als Dreieck mit einem Auge in der Mitte. Es wird also abstrahiert, was auch ein anderes Problem umgeht, nämlich das nach dem Geschlecht.
In den Zehn Geboten heißt es, Ex 20,2–17 EU:
„Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

Fazit - Bilderverbot und Sprechverbot ersticken Kritik und Zweifel

Der Gott, manchmal auch seine engsten Diener - "Propheten" oder wie auch immer - dürfen außer zur Lobpreisung und Anrufung weder gezeigt noch erwähnt werden. Es gilt ein Abbildungs- ja manchmal sogar ein Sprechverbot. Selbst wenn der Koran selbst noch nicht mal ein Abbildungsverbot ausgesprochen hat, so ist es faktisch so. Und wie alle Welt sehen kann, hängen unglaublich hysterische Reaktionen daran. Tatsächlich existieren aber historische Abbildungen, wo Mohamed gezeigt wird, meist mit einem Schleier vor dem Gesicht. Apropos Koran - der wurde zu einem ehernen, unberührbaren Zeugnis, dem Mohamed von seinem Allah wie vorliegend mitgeteilt und quasi unverändert und unveränderlich. Ja, bis im jemenitischen Sanaa ein Minarett einstürzte, bloß sickern die Folgen daraus in der muslimischen Welt nicht ins Bewusstsein, ganz einfach, weil man sie nicht will. Das Ganze hat irgendwie gleiche Qualitäten: Allah, Mohamed, Koran - alles unberührbar, nie im Leben auf den Tisch zu legen oder historisch sezierbar.
Wie auch immer: Was nicht erwähnt werden darf, sich nicht zeigt, nicht da ist, kann weder kritisiert, angegriffen noch zerstört werden, wozu der leidende Gläubige insgeheim große Lust verspürt, wie zu vermuten ist. Er möchte dem Alten, dem Gott-VATER, am liebsten den Hals umdrehen, s. auch den Ödipuskomplex, den weder Freud noch die Griechen "erfunden" sondern bereits vorgefunden hatten. Er ist vermutlich mindestens so alt, wie der moderne Mensch. Da weder der Ödipuskomplex noch die ihn erzeugenden Strukturen verschwinden werden, werden natürlich auch die Religionen bleiben. Oft wird der Gott auch sprachlich absolut gesetzt, um ihn unangreifbar zu machen.

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Bild: Historische Darstellung, Mohamed mit Schleier

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